Vortrag Dr. Philipp Krauß „Schmerzschrittmacher“ 18.7.26

Dr. med. Philipp Krauß

Oberarzt

Facharzt für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Augsburg
Prüfarzt (AMG)
Eurospine Basic Diploma
Zertifikat Medizindidaktik der Bayerischen Universitäten
https://www.uk-augsburg.de/einrichtungen/kliniken/klinik-fuer-neurochirurgie/team/oberaerzte

18.7.2026 Symposium zum Thema „Polyneuropathie“
der SHG Polyneuropathie Bayern, Kolpinghaus München
Video auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=npVV0jjfaTc&list=PLYt-L7gxuXRU&index=3
Folien
https://polyneuro-bayern.de/wp-content/uploads/2026/08/Neurochirurgie-Schmerzschrittmacher-DrKrauss.pdf

Zusammenfassung wurde mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt.

Ich habe die Folien des Vortrags von Dr. Philipp Krauß als Grundlage ausgewertet. Der Vortrag trägt den Titel „Schmerzschrittmacher – Wie können chronische Schmerzen sinnvoll (neurochirurgisch) behandelt werden?“ und wurde am 18.07.2026 in München Symposium Polyneuropathie gehalten.

Zusammenfassung: Schmerzschrittmacher – Neurochirurgische Behandlung chronischer Schmerzen

Chronische Schmerzen stellen eine große therapeutische Herausforderung dar. Der Vortrag von Dr. Philipp Krauß beschäftigt sich mit der Frage, wann und wie neurochirurgische Verfahren – insbesondere die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) – bei chronischen Schmerzen sinnvoll eingesetzt werden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der schmerzhaften Polyneuropathie, daneben werden weitere Einsatzgebiete der Neurostimulation vorgestellt.

Polyneuropathie und chronischer neuropathischer Schmerz

Zu Beginn wird die Bedeutung der Polyneuropathie als Volkskrankheit herausgestellt. Je nach zugrunde gelegter Definition sind etwa 2,4–10 % der Bevölkerung betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu; für Deutschland werden etwa 2–8 Millionen Betroffene genannt.

Ein wesentliches Problem ist, dass viele Patienten durch die bisherige medikamentöse Behandlung keine ausreichende Schmerzlinderung erfahren. Gerade bei neuropathischen Schmerzen kann die Ursache der Beschwerden in einer Fehlfunktion bzw. Überaktivität geschädigter Nerven liegen. Dabei entsteht Schmerz nicht zwangsläufig durch eine aktuell fortbestehende Gewebeschädigung, sondern kann durch Veränderungen in der Verarbeitung und Weiterleitung von Schmerzsignalen aufrechterhalten werden. Der Vortrag stellt die Polyneuropathie deshalb als ein multifaktorielles Geschehen dar.

Für die neurochirurgische Schmerzbehandlung ist daher zunächst die Frage entscheidend, welche Art von Schmerz vorliegt und an welcher Stelle des Schmerzsystems eine therapeutische Beeinflussung sinnvoll ist. Dr. Krauß unterscheidet dabei unter anderem zwischen ursächlicher und symptomatischer Behandlung, zwischen akuten und chronischen Schmerzen sowie zwischen minimal- und maximalinvasiven Verfahren.

Neurochirurgische Schmerztherapie und Neuromodulation

Das zentrale Prinzip der vorgestellten neurochirurgischen Therapie besteht darin, nicht unbedingt die Ursache der Nervenschädigung zu beseitigen, sondern die Weiterleitung bzw. Verarbeitung der Schmerzsignale zu beeinflussen. Die Neurochirurgie setzt dabei direkt am Nervensystem an.

Das wichtigste Verfahren des Vortrags ist die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS). Sie gehört zu den Verfahren der Neuromodulation und wird vor allem bei chronischen Schmerzsyndromen eingesetzt. Grundlage des Prinzips ist unter anderem die Gate-Control-Theorie. Vereinfacht gesagt soll die elektrische Stimulation bestimmte Nervenstrukturen so beeinflussen, dass die Weiterleitung bzw. Wahrnehmung von Schmerzsignalen vermindert wird. Ziel ist dabei eine Reduktion von Schmerzen und unangenehmen Missempfindungen.

Bei der SCS werden Elektroden in der Nähe des Rückenmarks platziert. Diese geben elektrische Impulse ab und modulieren dadurch die Aktivität der beteiligten neuronalen Strukturen. Die Elektroden sind mit einem Stimulationsgenerator verbunden, der unter der Haut implantiert wird.

Ablauf der Rückenmarkstimulation

Ein wichtiger Aspekt des Vortrags ist, dass die Implantation nicht sofort mit einer endgültigen dauerhaften Versorgung gleichzusetzen ist. Die Behandlung erfolgt zunächst in einer Testphase.

Der dargestellte Ablauf besteht aus drei wesentlichen Schritten:

  1. Implantation der Elektroden in Lokalanästhesie.
  2. Testphase über etwa sieben Tage, die ambulant durchgeführt werden kann.
  3. Bei ausreichender Wirksamkeit erfolgt die Implantation des Stimulationsgenerators; bei fehlendem Nutzen können die Elektroden wieder entfernt werden.

Damit bietet die Testphase eine Möglichkeit, vor der endgültigen Implantation zu überprüfen, ob der Patient tatsächlich von der Neurostimulation profitiert. Der Vortrag betont außerdem den minimalinvasiven Charakter des Verfahrens.

Beispiel: schmerzhafte diabetische Polyneuropathie

Besonders anschaulich wird das Verfahren anhand eines Patientenbeispiels dargestellt. Der 74-jährige Patient litt an einer diabetischen Polyneuropathie. Eine Behandlung mit Pregabalin und Gabapentin hatte keine ausreichende Wirkung gezeigt. Seit etwa 6,5 Jahren bestanden brennende Schmerzen an den Füßen, insbesondere nachts. Die Schmerzintensität wurde mit 8/10 angegeben.

Nach Durchführung der SCS zeigte sich sechs Monate später eine deutliche Reduktion der Schmerzen: Die angegebene Schmerzintensität sank von VAS 8/10 auf VAS 2/10. Das Beispiel soll verdeutlichen, dass Neurostimulation insbesondere bei Patienten eine therapeutische Option darstellen kann, bei denen konventionelle medikamentöse Verfahren nicht ausreichend wirksam sind.

Der Vortrag verweist entsprechend auf eine gute Wirksamkeit der Rückenmarkstimulation bei schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Rückenmarkstimulation bei Polyneuropathie entsprechend der dargestellten Leitlinienempfehlung als mögliche Therapie berücksichtigt werden kann.

Weitere Einsatzgebiete

Die Rückenmarkstimulation ist nicht auf die Polyneuropathie beschränkt. Als weitere Indikationen werden im Vortrag unter anderem genannt:

  • chronische Rückenschmerzen
  • pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • CRPS I und II
  • Post-Zoster-Neuralgie
  • persistierende Schmerzen nach Wirbelsäulenoperationen bzw. **PSPS-II („failed back surgery syndrome“) **.

Beim PSPS-II geht es um Patienten, bei denen nach einer Wirbelsäulenoperation weiterhin relevante Schmerzen bestehen. Hier kann die Neurostimulation ebenfalls eine Möglichkeit der Schmerztherapie darstellen, wenn andere Behandlungsstrategien nicht ausreichend geholfen haben.

Einordnung der Neurostimulation in die Schmerztherapie

Die wichtigste Botschaft des Vortrags ist, dass ein „Schmerzschrittmacher“ nicht als erste Maßnahme bei jedem chronischen Schmerz eingesetzt werden sollte. Vielmehr muss zunächst geklärt werden, welche Schmerzursache und welches Schmerzsyndrom vorliegen und welche konservativen bzw. medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft wurden.

Die Neurostimulation stellt somit eine spezialisierte Therapieoption für ausgewählte Patienten dar. Besonders interessant ist sie bei chronischen neuropathischen Schmerzen, die auf etablierte medikamentöse Verfahren nicht ausreichend ansprechen. Dabei geht es um eine symptomatische Beeinflussung der Schmerzverarbeitung und nicht um die Heilung der zugrunde liegenden Nervenschädigung.

Der Vortrag zeigt außerdem, dass die Behandlung nicht mit der Operation endet. Nach der Implantation ist eine weiterführende Betreuung und Einstellung des Stimulationssystems erforderlich. Dr. Krauß formuliert hierfür das Prinzip: „so spezialisiert wie nötig, Betreuung so dezentral wie möglich“.

Die Neurostimulation sollte daher in ein interdisziplinäres Behandlungskonzept eingebettet sein. Als Partner werden unter anderem die Neurologie und Neurophysiologie, die Schmerztherapie sowie die Gefäßchirurgie genannt. Ziel ist eine gemeinsame Betreuung der Patienten und eine sinnvolle Auswahl derjenigen, die von einer Neuromodulation profitieren können.

Fazit

Der Vortrag macht deutlich, dass die Rückenmarkstimulation (SCS) eine wichtige neurochirurgische Option zur Behandlung ausgewählter chronischer Schmerzsyndrome darstellt. Besonders bei schmerzhafter Polyneuropathie kann sie dann interessant werden, wenn eine ausreichende Schmerzkontrolle mit Medikamenten nicht erreicht wird.

Das Grundprinzip besteht darin, die Schmerzverarbeitung im Nervensystem durch elektrische Stimulation zu modulieren, anstatt die bereits bestehende Nervenschädigung selbst zu beseitigen. Vor einer dauerhaften Implantation ermöglicht eine mehrtägige Testphase die Beurteilung des individuellen Therapieerfolgs. Bei gutem Ansprechen kann anschließend der Stimulationsgenerator implantiert werden.

Für Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie zeigt der Vortrag ein eindrückliches Beispiel für eine deutliche Schmerzreduktion von VAS 8/10 auf VAS 2/10. Gleichzeitig wird deutlich, dass die SCS keine universelle Lösung für chronische Schmerzen ist, sondern eine gezielte Therapie für ausgewählte Patienten. Entscheidend sind eine korrekte Schmerzdiagnose, eine sorgfältige Patientenauswahl, eine vorherige Ausschöpfung geeigneter konservativer bzw. medikamentöser Verfahren und die Einbindung in ein interdisziplinäres Behandlungskonzept.

Merksatz: Der „Schmerzschrittmacher“ heilt die Nervenschädigung nicht – er soll die krankhaft veränderte Schmerzverarbeitung modulieren und dadurch chronische neuropathische Schmerzen reduzieren. Besonders bei therapierefraktären Schmerzsyndromen kann die Rückenmarkstimulation eine wirksame und vergleichsweise minimalinvasive Therapieoption sein.