Vortrag Michaela Kreitmair – „Reha bei Polyneuropathie aus Sicht der Therapeutin“ 18.7.26

Michaela Kreitmair

Therapieleitung

Michaela Kreitmair ist Therapieleitung bei Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark. Sie war fünfzehn Jahre lang als Physiotherapeutin im Profifußball und acht Jahre für die Biathlon-Nationalmannschaft tätig. Seit August 2014 begleitete sie Patienten bei Medical Park Chiemsee und übernahm im Juni 2024 die Therapieleitung bei Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark.
https://reithofpark.medicalpark.de/

18.7.2026 Symposium zum Thema „Polyneuropathie“
der SHG Polyneuropathie Bayern, Kolpinghaus München
Video auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=w27xvP4CPQo&list=PLYt-L7gxuXRU&index=5
Folien des Vortrages:
https://polyneuro-bayern.de/wp-content/uploads/2026/08/PNP_Reha-aus-der-Therapie-FrauKreitmair.pdf

Zusammenfassung wurde mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt.

Zusammenfassung: „Reha bei Polyneuropathie aus Sicht der Therapeutin“ – Michaela Kreitmair

Michaela Kreitmair stellt in ihrem Vortrag die praktische rehabilitative Behandlung von Menschen mit Polyneuropathie aus therapeutischer Sicht vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie durch gezielte Bewegungstherapie die durch eine Polyneuropathie verursachten Einschränkungen im Alltag möglichst gut ausgeglichen werden können. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung einzelner körperlicher Funktionen, sondern vor allem darum, Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern.

Polyneuropathien können unter anderem zu Kraftverlust, Sensibilitätsstörungen und Gleichgewichtsproblemen führen. Dadurch werden alltägliche Bewegungen und das sichere Gehen erschwert und das Sturzrisiko erhöht. Die therapeutische Rehabilitation setzt deshalb vor allem an den funktionellen Einschränkungen an. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Bewegungstherapie, die sowohl Physiotherapie als auch Sporttherapie umfasst.

Ziele der Rehabilitation

Zu den wichtigsten Zielen gehören die Verbesserung der Mobilität, das Training von Gleichgewicht und Koordination sowie die Optimierung des Gangbildes. Darüber hinaus sollen Kraft und Ausdauer verbessert und Schmerzen möglichst reduziert bzw. besser bewältigt werden. Auch die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten selbstständig durchzuführen, soll erhalten oder verbessert werden.

Das übergeordnete Ziel besteht dabei nicht allein darin, eine bestimmte Muskelkraft oder ein bestimmtes Bewegungsausmaß zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr die Teilhabe am täglichen Leben: Betroffene sollen möglichst lange aktiv bleiben, ihre Selbstständigkeit bewahren und dadurch ihre Lebensqualität sichern.

Bewegungstherapie als zentraler Bestandteil

Ein Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Kombination verschiedener Trainingsformen. Kraft-, Gleichgewichts- und Ausdauertraining bilden die Basis der therapeutischen Behandlung.

Beim Krafttraining werden insbesondere die durch die Polyneuropathie geschwächten Muskelgruppen gezielt trainiert. Dabei muss die Belastung an die individuellen Möglichkeiten des Patienten angepasst werden. Ziel ist nicht eine maximale Belastung, sondern eine funktionelle Verbesserung, die sich im Alltag bemerkbar macht.

Das Gleichgewichts- und Koordinationstraining ist besonders wichtig, da Sensibilitätsstörungen und Muskelschwäche die Stand- und Gangsicherheit beeinträchtigen können. Übungen können beispielsweise den Einbeinstand, den Tandemgang oder verschiedene Hindernissituationen umfassen. Auch Reaktionsfähigkeit und koordinative Fähigkeiten werden trainiert.

Darüber hinaus spielt das Ausdauertraining eine wichtige Rolle. Regelmäßige körperliche Aktivität soll die allgemeine Belastbarkeit verbessern und dazu beitragen, einem weiteren Abbau der körperlichen Leistungsfähigkeit entgegenzuwirken. Die im Vortrag dargestellten Studien weisen darauf hin, dass unterschiedliche Trainingsformen spezifische Verbesserungen erzielen können: Krafttraining verbessert insbesondere die Muskelkraft, Gleichgewichtstraining das Gleichgewicht und Ausdauertraining die körperliche Leistungsfähigkeit. Die Kombination verschiedener Trainingsformen ist daher besonders sinnvoll.

Bewegungstherapie im Gruppensetting

Ein besonderes Augenmerk legt Kreitmair auf die Therapie in der Gruppe. Ein mögliches Gruppentraining kann verschiedene Komponenten miteinander verbinden: Beweglichkeitsübungen wie Dehnung und Mobilisation, Koordinationsübungen, Gleichgewichtstraining und funktionelle Übungen.

Das Gruppensetting bietet dabei mehrere Vorteile. Die Teilnehmer können sich gegenseitig motivieren und unterstützen. Außerdem entsteht eine soziale Komponente, die bei einer chronischen Erkrankung besonders wertvoll sein kann. Gemeinsames Training kann mehr Freude an der Bewegung vermitteln, die Therapietreue erhöhen und den regelmäßigen Austausch mit anderen Betroffenen ermöglichen. Auch voneinander zu lernen und die Erfahrung zu machen, mit den eigenen Einschränkungen nicht allein zu sein, kann hilfreich sein.

Gleichzeitig hat die Gruppentherapie Grenzen: Menschen mit Polyneuropathie unterscheiden sich teilweise erheblich hinsichtlich Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Mobilität. Deshalb sind individuelle Anpassungen innerhalb der Gruppe notwendig. Übungen müssen gegebenenfalls vereinfacht oder erschwert werden, damit jeder Teilnehmer entsprechend seinen Möglichkeiten trainieren kann.

Praktische Übungen

Anhand konkreter Beispiele zeigt der Vortrag, wie ein solches Training gestaltet werden kann. Genannt werden unter anderem:

  • Einbeinstand mit Sicherung
  • Tandemgang
  • Hindernisparcours
  • Aufstehen und Hinsetzen vom Stuhl
  • Übungen mit dem Theraband
  • Zehen- und Fersenstand
  • Step-up-Übungen
  • Übungen mit einem Ball

Die Übungen können im Verlauf progressiv gesteigert werden. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise darin, die Augen zu schließen, eine instabile Unterlage einzusetzen oder zusätzliche Aufgaben einzubauen (Dual Task). Dadurch werden Gleichgewicht und Koordination zunehmend gefordert.

Dabei steht jedoch immer die Sicherheit im Vordergrund. Gerade bei einer Polyneuropathie darf die Schwierigkeit einer Übung nicht dazu führen, dass das Sturzrisiko unnötig steigt. Übungen müssen deshalb entsprechend abgesichert und an das individuelle Leistungsniveau angepasst werden.

Besonderheiten bei Polyneuropathie

Kreitmair betont mehrere Punkte, die bei der Bewegungstherapie von Menschen mit Polyneuropathie besonders berücksichtigt werden müssen. Die Belastung muss individuell angepasst werden. Schmerzen sollten ernst genommen und bei der Trainingsplanung berücksichtigt werden. Eine konsequente Sturzprophylaxe ist wichtig.

Auch vorhandene Hilfsmittel sollten selbstverständlich in die Therapie integriert werden. Regelmäßige Pausen helfen, Überlastung zu vermeiden. Eine gute Schuhversorgung ist insbesondere bei sensiblen Störungen der Füße von Bedeutung. Außerdem sollte die Haut an den Füßen regelmäßig kontrolliert werden, da Verletzungen bei vermindertem Schmerz- bzw. Berührungsempfinden möglicherweise zu spät bemerkt werden.

Damit wird deutlich, dass Bewegungstherapie bei Polyneuropathie nicht einfach bedeutet, möglichst viel Sport zu treiben. Entscheidend ist ein dosiertes, sicheres und individuell angepasstes Training, das die vorhandenen Fähigkeiten berücksichtigt und gleichzeitig gezielt an den bestehenden Defiziten arbeitet.

Fazit

Die zentrale Aussage des Vortrags ist, dass Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation bei Polyneuropathie ist. Kraft-, Gleichgewichts-, Koordinations- und Ausdauertraining können dazu beitragen, vorhandene Funktionen zu verbessern bzw. möglichst lange zu erhalten. Besonders wichtig ist dabei die Übertragung der Trainingserfolge auf den Alltag: Sicheres Gehen, Aufstehen, Treppensteigen und andere alltägliche Aktivitäten sollen möglichst lange selbstständig möglich bleiben.

Das Gruppentraining kann hierbei einen zusätzlichen Nutzen bieten, weil es Motivation, soziale Unterstützung, Freude an Bewegung und Therapietreue fördert. Es ersetzt jedoch nicht die individuelle Betrachtung des einzelnen Patienten. Die Übungen müssen an Leistungsfähigkeit, Beschwerden und Sicherheitsbedürfnisse angepasst werden.

Take-home-Message des Vortrags: Eine Polyneuropathie führt häufig zu Kraftverlust und Gleichgewichtsstörungen. Bewegungstherapie in Form von Physio- und Sporttherapie ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Rehabilitation. Kraft-, Gleichgewichts- und Ausdauertraining bilden die Grundlage, während das Gruppensetting Motivation und Aktivität fördern kann. Entscheidend bleibt jedoch ein individuelles Belastungsmanagement, bei dem Schmerzen, Sturzrisiko, Hilfsmittel, Pausen, Schuhversorgung und die Kontrolle der Fußhaut berücksichtigt werden.