Vortrag Prof. Young – „Reha in der Polyneuropathie“ 18.7.26

Prof. Dr. med. Peter Young

Chefarzt & Ärztlicher Direktor
Professor Dr. Peter Young ist ausgewiesener Spezialist für die gesamte Bandbreite der Neurologie und seit 2019 Chefarzt bei Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark sowie Ärztlicher Direktor für Neurologie im Cluster Bad Feilnbach.
https://reithofpark.medicalpark.de/fachklinik-2/

18.7.2026 Symposium zum Thema „Polyneuropathie“
der SHG Polyneuropathie Bayern, Kolpinghaus München
Video auf YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=TRVBB20se9g&list=PLYt-L7gxuXRU&index=4
Folien des Vortrages
https://polyneuro-bayern.de/wp-content/uploads/2026/08/Neurologische-Rehabilitation_bei_PNP_Prof.Young_.pdf

Zusammenfassung wurde mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt.

Ich habe die 25 Folien des Vortrags „Nicht medikamentöse Therapien und Rehabilitation von Polyneuropathien“ von Prof. P. Young ausgewertet und die Zusammenfassung an der Gliederung und den Kernaussagen der Präsentation orientiert. Die Folien behandeln insbesondere Beeinträchtigungen durch Polyneuropathien, das Reha-Phasenmodell, ICF-orientierte Rehabilitation, impairment-basierte Therapie, körperliches Training, psychologische Interventionen und Fatigue.

Zusammenfassung: Nicht medikamentöse Therapie und Rehabilitation bei Polyneuropathien

Polyneuropathien können zu unterschiedlichen funktionellen Beeinträchtigungen („Impairments“) führen. Im Vortrag werden insbesondere Lähmungen bzw. Kraftdefizite, Sensibilitätsstörungen und Fatigue hervorgehoben. Ziel der neurologischen Rehabilitation ist deshalb nicht allein die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, sondern vor allem die Verbesserung von Funktion, Selbstständigkeit, Aktivität und gesellschaftlicher Teilhabe.

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die individuelle Erfassung des Rehabilitationsbedarfs. In der Neurorehabilitation werden hierzu Assessments eingesetzt. Der Barthel-Index wurde ursprünglich für Schlaganfallpatienten entwickelt und wird in Deutschland insbesondere zur Beurteilung der Selbstständigkeit, zur Einordnung in die Rehabilitationsphasen sowie im Zusammenhang mit der Pflegegradeinschätzung verwendet. Das Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation reicht von der Akutbehandlung (Phase A) über intensive Rehabilitationsphasen bis hin zur ambulanten Nachsorge bzw. dauerhaften Unterstützung. Für Polyneuropathien ist insbesondere die Rehabilitation von Patienten relevant, die bewusstseinsklar und kooperationsfähig sind und an gezielten Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen können.

ICF und Teilhabe als übergeordnetes Rehabilitationsziel

Prof. Young stellt die Rehabilitation in den Kontext der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit). Dabei wird eine Erkrankung nicht isoliert betrachtet. Vielmehr werden Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Partizipation (Teilhabe) sowie Umwelt- und personenbezogene Faktoren gemeinsam berücksichtigt.

Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Diagnose hin zu der Frage: Was kann der Patient aufgrund seiner Polyneuropathie nicht oder nur eingeschränkt tun – und welche Therapie kann diese Einschränkung verbessern? Die Rehabilitation soll also möglichst konkret an den vorhandenen Defiziten ansetzen. Dies bezeichnet der Vortrag als „impairment-basierte Therapie“.

Je nach Beeinträchtigung kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage. Bei Kraftdefiziten werden beispielsweise Einzeltherapie, Krafttraining und gezielte Bewegungsübungen eingesetzt. Bei Einschränkungen der Ausdauer stehen aerobes Training, Gehtraining oder Fahrradergometer im Vordergrund. Bei Störungen von Stehen und Gehen können unter anderem Laufband-, Gang- und Gleichgewichtstraining eingesetzt werden. Auch Sensibilitätsstörungen können durch spezifische Anwendungen berücksichtigt werden. Entscheidend ist somit nicht ein einheitliches Rehabilitationsprogramm für alle Patienten, sondern eine an der individuellen Funktionsstörung orientierte Kombination verschiedener Therapieformen.

Evidenz für Rehabilitation bei Polyneuropathien

Als Beispiel für eine impairment-basierte Rehabilitation wird die hereditäre Polyneuropathie bzw. Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) vorgestellt. Die Folien verweisen auf Studien zur Rehabilitation bei erblichen Neuropathien sowie auf Untersuchungen zur Verbesserung der Handfunktion und der Gangfunktion.

Eine Studie von Prada et al. wird zur Rehabilitation der Handfunktion bei CMT angeführt. Außerdem wird eine Untersuchung von Mori et al. zur Verbesserung von Gangfunktion und Gangsicherheit durch Laufbandtraining vorgestellt. Damit soll verdeutlicht werden, dass auch bei chronischen bzw. erblichen Neuropathien gezieltes Training bestimmte Funktionen verbessern kann.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das aerobe Ausdauertraining, insbesondere das geräteunterstützte Gehen. Gezeigt werden verschiedene Möglichkeiten, Patienten beim Gehen bzw. beim Ausdauertraining durch geeignete Trainingsgeräte zu unterstützen. Ziel ist es, trotz bestehender Schwäche ein ausreichendes und kontrolliertes Training zu ermöglichen.

Psychologische Rehabilitation

Neben körperlichen Einschränkungen spielt auch die psychische Belastung durch eine chronische Polyneuropathie eine wichtige Rolle. Der Vortrag stellt daher die Frage, welche Voraussetzungen für eine psychologische Intervention bei PNP notwendig sind. Die präsentierte Literatur beschäftigt sich mit psychologischen Interventionen bei langsam fortschreitenden neuromuskulären Erkrankungen und deren Einfluss auf Wohlbefinden und Lebensqualität.

Als konkreten Ansatz stellt Prof. Young die Acceptance and Commitment Therapy (ACT) vor. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung von psychischer Flexibilität. Die Betroffenen sollen lernen, unangenehme Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen wahrzunehmen und zu akzeptieren, ohne dass diese automatisch das gesamte Verhalten bestimmen.

Zu den Kernprozessen der ACT gehören unter anderem Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment, Akzeptanz, kognitive Flexibilität bzw. Distanz zu belastenden Gedanken, ein flexibles Selbstkonzept, die Orientierung an persönlichen Werten und engagiertes Handeln. Ziel ist es letztlich, trotz der Erkrankung ein möglichst selbstbestimmtes und an den eigenen Werten orientiertes Leben zu führen.

Fatigue als wesentliche Beeinträchtigung

Ein besonders wichtiger Teil des Vortrags beschäftigt sich mit der Fatigue bei Polyneuropathien. Fatigue wird dabei nicht einfach mit normaler Müdigkeit gleichgesetzt. Sie kann einen erheblichen Einfluss auf Aktivität, Leistungsfähigkeit und Teilhabe haben. Die Folien zeigen, dass schwere Fatigue bei verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen häufig vorkommt; auch bei CMT wird eine relevante Häufigkeit angegeben.

Das vorgestellte Fatigue-Modell verdeutlicht, dass Fatigue aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren entsteht. Neben dem Gesundheitszustand und körperlichen Funktionen spielen insbesondere körperliche Aktivität, erlebte körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit sowie psychologische Faktoren eine Rolle. Physiologische und subjektiv erlebte Fatigue beeinflussen sich gegenseitig und wirken sich wiederum auf Aktivität und Teilhabe aus.

Interessant ist dabei der Zusammenhang zwischen Fatigue und körperlicher Aktivität: Fatigue kann zu weniger Bewegung führen, während eine geringe körperliche Aktivität wiederum die körperliche Fitness verschlechtert und dadurch die Belastbarkeit weiter reduzieren kann. Es kann somit ein negativer Kreislauf entstehen. Die Rehabilitation versucht, diesen Kreislauf durch angepasstes Training zu durchbrechen.

Die Präsentation führt hierzu eine Untersuchung von Favejee et al. an. Dort zeigte aerobes Ausdauertraining eine Reduktion von Schmerzen und Fatigue. In der dargestellten Studie verbesserte sich der Fatigue-Score nach dem Training signifikant; auch der Anteil der Patienten mit Schmerzen nahm ab. Die motorische Funktion und bestimmte Parameter der körperlichen Aktivität veränderten sich dagegen weniger deutlich.

Fazit

Die zentrale Botschaft des Vortrags lautet, dass Rehabilitation bei Polyneuropathien individuell und impairment-basiert erfolgen sollte. Ausgangspunkt sind die konkreten Einschränkungen des Patienten – beispielsweise Kraftverlust, Einschränkungen des Gehens, verminderte Ausdauer, Sensibilitätsstörungen oder Fatigue. Daraus werden geeignete therapeutische Maßnahmen abgeleitet.

Besonders bedeutsam sind Kraft- und Ausdauertraining, gezieltes Geh- und Laufbandtraining sowie geräteunterstütztes Training. Auch psychologische Interventionen können Bestandteil einer umfassenden Rehabilitation sein, insbesondere wenn die chronische Erkrankung zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führt. ACT verfolgt hierbei das Ziel, die psychische Flexibilität zu verbessern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass körperliche Aktivität trotz Fatigue nicht grundsätzlich vermieden werden sollte. Vielmehr kann angepasstes aerobes Training dazu beitragen, Fatigue und Schmerzen zu reduzieren und damit die körperliche Aktivität und Teilhabe zu verbessern. Insgesamt sollte die Rehabilitation nicht nur auf die Verbesserung einzelner Körperfunktionen abzielen, sondern immer auch die Aktivität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe des Patienten im Blick behalten. Die Präsentation schließt mit dem Hinweis auf die noch ausbaufähige Evidenzlage der neuromuskulären Rehabilitation und die Bedeutung eines verbesserten Zugangs zu entsprechenden Rehabilitationsangeboten.

Merksatz: Nicht die Polyneuropathie allein bestimmt das Rehabilitationsziel, sondern das konkrete „Impairment“ und dessen Auswirkungen auf Aktivität und Teilhabe. Deshalb: individuell untersuchen → Defizit identifizieren → passende Therapie auswählen → Funktion und Teilhabe verbessern.