Nervenverletzung, Nervenengpass und Neuropathie: Diagnostik und Therapie.
20.07.26 15:30 Hirsch-Begegnungsstätte, Tübingen
Protokoll: Dieter Steinmetz
Prof. Dr. Alexander Grimm, Leiter klinische Neurophysiologie und Neuromuskuläres Zentrum am UKT.
In seinem Vortrag behandelte Prof. Grimm das Thema „Nervenverletzungen und Neuropathien”.
Einen sehr großen Teil des Vortrags nahmen Nervenverletzungen ein.
Polyneuropathien hingegen wurden nur sehr allgemein behandelt.
Jährlich werden zwei Millionen Menschen mit dem Karpaltunnelsyndrom behandelt!
Zunächst erläuterte er den Aufbau des Nervensystems.
Woraus besteht das Nervensystem?
Der Aufbau des Nervensystems wurde gezeigt.
Erkrankungen des peripheren Nervensystems und deren Ursachen
Er listete die Erkrankungen des peripheren Nervensystems und deren Ursachen auf.
1. Traumata (Verletzungen, …)
2. Kompressionen (Bandscheibenvorfall, Tumore, falsch liegende „Nägel” nach Operationen)
3. Durchblutungsstörungen (Diabetes, …)
4. Entzündungen (Borreliose – die wenigsten Borrelien greifen die Nerven an –, FSME, SARS-CoV-2, …).
5. Autoimmunerkrankungen (rheumatische, MS-ähnliche Erkrankungen)
6. Erbliche Erkrankungen (Spinale Muskelatrophie (SMA), Amyloidosen, Duchenne)
7. Degenerative Erkrankungen (ALS)
8. Metabolisch-toxische Störungen (Diabetes, Alkohol, Medikamente)
Multimodale Diagnostik bei neuromuskulären Erkrankungen
Nervenleitgeschwindigkeit (NLG):
Die Geschwindigkeit der Nervenleitbahnen wird gemessen.
Dabei wird geprüft, ob die Leitung schnell genug erfolgt und ob genügend „Masse“ weitergeleitet wird.
Wie wird der Nerv verletzt?
Es gibt vier Möglichkeiten:
– Neuromaxie (Druck auf den Nerv),
– Axonotmesie (innere Verletzung des Nervs),
– Neurotomie (vollständige Durchtrennung des Nervs) und
– Beschädigung der Myelinschicht.
Die „Parkbanklähmung“ wird erklärt.
Die Parkbanklähmung (auch Radialisparase oder Schlaflähmung) ist eine Druckschädigung des Radialisnervs am Oberarm, die zu einer typischen Fallhand und Taubheitsgefühlen führt. Sie entsteht meist durch langes, ununterbrochenes Liegen auf dem Arm – oft nach hohem Alkoholkonsum oder in tiefem Schlaf.
Es werden verschiedene Arten des Karpaltunnelsyndroms erläutert.
Elektromyografie (EMG)
Die Elektromyografie (EMG) ist eine Untersuchungsmethode, bei der die elektrische Aktivität von Muskeln gemessen wird, um Störungen der Muskulatur oder der sie versorgenden Nerven zu erkennen. Dazu wird eine Nadel in den Muskel gestochen.
Nach einer Verletzung wächst ein Nerv sehr langsam nach. Höchstens 1 mm pro Tag. Daher dauert es oft Wochen.
Ein Nerv stirbt langsam ab. Nach einem Unfall wird der Nerv noch gemessen. Vielleicht ist er nach zwei Wochen abgestorben. Daher sollte man nach einem Unfall unbedingt auch nach zwei Wochen den Nerv messen!
Ultraschall
Ultraschall ist ein Schwerpunkt von Prof. Grimm. Er hat es am UKT eingeführt und ausgebaut.
Im Ultraschall sind Nerven sichtbar!
Es wird untersucht, ob der Nerv zu dick oder zu dünn ist oder ob er unterbrochen ist.
„Intraneural Ganglion Cyst“
– Narben befreien.
– Nerv verbinden.
– Nerv mit gesunden Nerven überbrücken.
Ein „Spendernerv“ von anderen Personen ist keine Option. Eine Chemotherapie wäre zu belastend für das ohnehin geschädigte Nervensystem.
Polyneuropathie
Positiv- und Negativsystem
Entweder spürt man zu wenig (Taubheit) oder zu viel (Kribbeln, Brennen).
Anamnese:
Wie waren die sportlichen Fähigkeiten als Kind? Ist man als Kind häufig gestolpert? Dies ist wichtig für die Diagnose einer erblichen Polyneuropathie.
Welche Grunderkrankungen liegen vor?
Unklare Diagnosen sind über die Jahre sogar etwas gestiegen:
– 2005: 20 % unklar
– 2017: 26 % unklar
Differentialdiagnosen
Liegen andere Erkrankungen vor?
Gicht, Durchblutungsstörungen, Entzündungen von Sehnen und Muskeln oder ein Bandscheibenvorfall?
Diabetes als ursächliche Krankheit behandeln.
Alkohol als Auslöser einer Polyneuropathie wird angesprochen.
„Lieber ein kleines Bier als einen Liter Cola.“
Die Dosis macht es.
Für Neurologen ist die Kombination aus Zucker, Alkohol, Rauchen und zu wenig Bewegung am schlimmsten.
Auf Nachfrage wird Folgendes erläutert: Rauchen wirkt sich nur indirekt auf Neuropathien aus, und zwar über Durchblutungsstörungen.
Ernährung
Es werden die Zusammenhänge zwischen Vitaminmangelkrankheiten und Polyneuropathien erläutert.
Wichtig ist die Erstellung eines Blutbildes.
Hinweis: Es sollte nüchtern gemessen werden.
Bei PNP ist die Vitamin-B-Gruppe am wichtigsten. Dabei ist zu beachten, dass es bei Vitamin B6 auch eine Überdosierung geben kann. Also Achtung bei Vitamin-Kombinationen!
Bei Vitamin B12 sind Werte unter 400 pg/ml verdächtig. Es sollten täglich 1000 µg eingenommen werden.
Die vegane Lebensweise wird problematisiert.
Eine Liste schädlicher Medikamente wird kurz besprochen.
Antibiotika, Chemotherapiemedikamente und Schmerzmittel.
Soll man Vitamine zuführen?
1. Besser ist eine ausgewogene Ernährung.
2. Eine Supplementierung ist nicht nötig, außer bei Veganern und bei Erkrankungen.
Therapie des polyneuropathischen Syndroms:
Kausale Therapie entsprechend der Ätiologie.
- Stoffwechseleinstellung bei metabolischer Erkrankung
- Beendigung der Exposition gegenüber auslösenden Toxinen
- Immunmodulatorische Therapie bei CIDP (chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie): intravenöse Immunglobuline oder Plasmapherese, Steroide (nur bei CIDP) oder Immunsuppressiva.
- Verhinderung der Amyloidbildung bei Transthyretin-Amyloidose mit Polyneuropathie (ATTR-PN).
Symptomatische Therapie
- Gegen Dysästhesien (neurologische Missempfindungen, bei denen harmlose Reize wie Berührung oder Kleidung als unangenehm, brennend oder schmerzhaft empfunden werden) und Schmerzen.
- Dämpfung der Erregbarkeit der Nervenzellen (Pregabalin, Gabapentin, Oxcarbazepin, …)
- Regelmäßige körperliche Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil.
Bewegung und Sport sind wichtig.
1. Laufen oder Joggen 5 x die Woche
2. Muskelaufbautraining ab 40 Jahren
3. Gleichgewichtsübungen werden unterschätzt.
Mannschaftssportarten sind wichtig für die Koordination und das Gleichgewicht.
Kneippen: Boris Palmer sollte in Tübingen für ein Kneippbad sorgen. Prof. Grimm kommt aus Würzburg, wo Sebastian Kneipp angeblich auch tätig war.
Sind genetische Erkrankungen heilbar?
Es wird die Genersatztherapie bei spinaler Muskelatrophie bei Kindern vorgestellt.
Eine Spritze kostet 2 Millionen Euro.