Prof. Dr. med. Peter Young
Chefarzt & Ärztlicher Direktor
Professor Dr. Peter Young ist ausgewiesener Spezialist für die gesamte Bandbreite der Neurologie und seit 2019 Chefarzt bei Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark sowie Ärztlicher Direktor für Neurologie im Cluster Bad Feilnbach.
https://reithofpark.medicalpark.de/fachklinik-2/
18.7.2026 Symposium zum Thema „Polyneuropathie“
der SHG Polyneuropathie Bayern, Kolpinghaus München
Video auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=orip_qdby5k&list=PLYt-L7gxuXRU&index=3
Zusammenfassung wurde mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt.
Eine Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung mehrerer peripherer Nerven. Sie kann sensible, motorische und autonome Nervenfasern betreffen und äußert sich daher sehr unterschiedlich. Typische Beschwerden sind Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle, aber auch Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen, Temperatur- und Lageempfinden sowie Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe. Häufig beginnt die Erkrankung an den Füßen und kann sich im weiteren Verlauf nach oben ausbreiten. Das charakteristische Verteilungsmuster ist dabei ein wichtiger Hinweis für die Diagnose.
Zu den häufigsten Ursachen gehören insbesondere Diabetes mellitus, Alkohol und bestimmte Krebserkrankungen bzw. deren Behandlung. Daneben kommen toxische Ursachen, Nierenerkrankungen, erbliche Formen und verschiedene seltenere Erkrankungen infrage. Bei einem Teil der Patienten lässt sich trotz ausführlicher Diagnostik keine eindeutige Ursache feststellen. Als Ursache ist hier der medizinisch festgestellte chronische Alkoholismus gemeint. Aber schon ab „drei Halbe am Tag” muss Alkohol als Ursache in Betracht gezogen werden.
Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und neurologischen Untersuchung. Wichtig sind unter anderem die genaue Beschreibung der Schmerzen und Sensibilitätsstörungen, deren Verteilung sowie mögliche Muskelschwäche. Eine zentrale Untersuchung ist die Elektroneurographie/Nervenleitmessung, mit der sich feststellen lässt, welche Nerven betroffen sind und ob eher eine Schädigung der Nervenfasern (axonale Schädigung) oder der isolierenden Nervenhülle (Demyelinisierung) vorliegt. Ergänzend sind Blutuntersuchungen erforderlich. Im Vortrag werden unter anderem CRP, Differenzialblutbild, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte genannt.
Es müssen auch infektiöse und entzündliche Ursachen in Betracht gezogen werden. Ist eine Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion) immer notwendig? Aus wissenschaftlicher Sicht nicht, aber damit können viele entzündliche und infektiöse Ursachen nachgewiesen werden. Daher sollte bei Verdacht immer eine Untersuchung des Nervenwassers durchgeführt werden.
Besonders wichtig ist die Suche nach einem bislang unerkannten Diabetes. Auch nicht diagnostizierte Krebserkrankungen können Polyneuropathie verursachen.
Bei Diabetes mellitus stellt die gute Einstellung der Stoffwechsellage einen wesentlichen Bestandteil der Behandlung dar. Der Vortrag weist darauf hin, dass eine diabetische Polyneuropathie nicht unbedingt erst nach der Diabetesdiagnose auftreten muss, sondern dieser teilweise auch vorausgehen kann. Deshalb ist bei unklarer Polyneuropathie ein Diabetes-Screening sinnvoll.
Ein Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Behandlung neuropathischer Schmerzen. Neben Medikamenten werden nicht-medikamentöse Maßnahmen empfohlen, beispielsweise Bewegungs- und Ausdauertraining, Krafttraining, Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), Bürstenmassagen und andere physikalische Verfahren.
Prof. Jones ist ein Anhänger des Igelballs. Durch das tägliche Massieren bis zur Schmerzgrenze mit dem Igelball können die Schmerzen um ein bis zwei Punkte gesenkt werden.
Bei der medikamentösen Schmerztherapie kommen insbesondere Antiepileptika und Antidepressiva zum Einsatz.
„Antiepileptika: beruhigen die elektrische Aktivität in den Nerven“ .
Antiepileptika sollen die übermäßige elektrische Aktivität der Nerven beruhigen.
Pregabalin wirkt nicht sofort, wie es beispielsweise bei Aspirin der Fall ist. Die Dosierung muss vom Arzt individuell eingestellt werden und es dauert zwei Wochen, bis die Wirkung eintritt. Unter Umständen überwiegen am Anfang die Nebenwirkungen die gewünschte Wirkung.
Die Dosierung muss regelmäßig vom Hausarzt oder Neurologen kontrolliert werden.
„Antidepressiva: bewirken eine Distanzierung zum Schmerz“.
Antidepressiva können die Schmerzverarbeitung beeinflussen und zu einer gewissen Distanzierung vom Schmerz beitragen. Die Therapie muss individuell angepasst werden, da Wirkung und Nebenwirkungen von Patient zu Patient unterschiedlich sind.
Insgesamt macht der Vortrag deutlich, dass die Behandlung der Polyneuropathie ursachenbezogen und gleichzeitig symptomorientiert erfolgen sollte. Entscheidend ist zunächst, eine behandelbare Ursache zu finden und diese möglichst gezielt zu therapieren. Bei chronischen neuropathischen Schmerzen reicht die Behandlung der Ursache jedoch häufig nicht aus, sodass zusätzlich eine gezielte Schmerztherapie notwendig wird. Bei schwierig behandelbaren Beschwerden empfiehlt Prof. Young die Vorstellung bei neurologischen Spezialisten bzw. in einer spezialisierten Schmerztherapie.